Es ist der Albtraum jedes Hobbygärtners: Man freut sich auf die Ernte saftiger Zwetschgen, doch beim Hineinbeißen offenbart sich ein unappetitliches Bild – eine kleine rote Made und braune Kotkrümel im Inneren der Frucht. Der Verursacher ist der Pflaumenwickler (Cydia funebrana). Um diesen Schädling erfolgreich in Schach zu halten, ist es entscheidend, ihn frühzeitig zu identifizieren. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über Pflaumenwickler Bilder, den Lebenszyklus des Falters und die besten Strategien zur Bekämpfung, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Identifikation: Der Falter ist ca. 8 mm lang, die Larve rötlich mit dunkelbraunbraunem Kopf [2].
- Schadbild: Vorzeitige Blaufärbung der Früchte, klebrige Gummitropfen am Einbohrloch [3].
- Generationen: Zwei Generationen pro Jahr; die zweite Generation verursacht den Hauptschaden im Spätsommer [5].
- Bekämpfung: Hygiene (Fallobst sammeln), Pheromonfallen zur Überwachung und biologische Gegenspieler wie Schlupfwespen [8].
- Prognose: Modelle wie SOPRA helfen, den optimalen Zeitpunkt für Maßnahmen zu bestimmen [7].
Was ist der Pflaumenwickler? Eine detaillierte Beschreibung
Der Pflaumenwickler gehört zur Familie der Wickler (Tortricidae) und ist einer der bedeutendsten Schädlinge im Steinobstbau. Er befällt vorrangig Pflaumen und Zwetschgen, tritt aber gelegentlich auch an Mirabellen, Renekloden, Aprikosen und Pfirsichen auf [4][5].
Pflaumenwickler Bilder – Den Falter erkennen
Der erwachsene Falter ist eher unscheinbar. Er misst in Ruhestellung etwa 8 mm und hat eine Flügelspannweite von 12 bis 15 mm [2][5]. Die Vorderflügel sind matt bräunlich-grau gefärbt und weisen eine dunkle, oft verschwommene Zeichnung auf. Ein charakteristisches Merkmal ist der aschgraue Fleck an der Außenecke der Flügel [2]. Da die Falter dämmerungsaktiv sind, bekommt man sie im Garten nur selten direkt zu Gesicht, es sei denn, man nutzt spezielle Pheromonfallen zur Überwachung [6].
Die Larve – Die berüchtigte "Pflaumenmade"
Was wir im Volksmund als Made bezeichnen, ist botanisch gesehen die Raupe des Falters. Junge Larven sind zunächst hell oder weißlich-gelb. Mit zunehmendem Alter färben sie sich rötlich bis intensiv rosa [1][3]. Eine ausgewachsene Larve erreicht eine Länge von 10 bis 12 mm und besitzt einen dunkelbraunen Kopf sowie 16 Beine [2][4]. Diese visuellen Merkmale sind entscheidend, um den Pflaumenwickler von anderen Schädlingen wie der Pflaumensägewespe zu unterscheiden, deren Larven eher weißlich-gelb sind und einen anderen Fraßgang hinterlassen [11].
Das Schadbild: Worauf Sie achten müssen
Die Symptome eines Befalls variieren je nach Generation des Schädlings. Man unterscheidet zwischen dem Frühbefall im Juni/Juli und dem deutlich schwerwiegenderen Spätbefall im August/September [2].
Visuelle Anzeichen am Baum
- Vorzeitige Reife: Befallene Früchte verfärben sich oft schon Wochen vor der eigentlichen Ernte bläulich oder violett [3][6].
- Fruchtfall: Besonders bei der ersten Generation im Juni fallen die noch kleinen, violett verfärbten Früchte massenhaft ab [2].
- Gummitropfen: Ein sehr typisches Zeichen sind farblose, klebrige Gummitröpfchen, die aus dem winzigen Einbohrloch der Larve austreten [4][5]. Dies ist eine Abwehrreaktion des Baumes auf die Verletzung.
- Innerer Fraß: Im Inneren der Frucht ist das Fruchtfleisch in Kernnähe zerstört. Die Höhlung um den Stein ist mit dunklen Kotklümpchen gefüllt [4].
Biologie und Lebenszyklus: Zwei Generationen gegen Ihre Ernte
Um den Pflaumenwickler effektiv zu bekämpfen, muss man verstehen, wann er aktiv ist. In Mitteleuropa entwickelt der Schädling in der Regel zwei Generationen pro Jahr [2][5].
Überwinterung und erste Generation
Der Pflaumenwickler überwintert als ausgewachsene Larve in einem festen Kokon. Diese Verstecke befinden sich meist unter Rindenschuppen am Baumstamm oder im Boden [2][3]. Im Frühjahr (März bis Mai) verpuppen sich die Larven. Der erste Falterflug beginnt je nach Witterung etwa ab Ende April bis Mai, oft zeitgleich mit dem Ende der Pflaumenblüte [3][4]. Die Weibchen legen etwa 60 Eier einzeln an die jungen Früchte ab [6]. Nach 6 bis 11 Tagen schlüpfen die Raupen und bohren sich in die Frucht ein [6].
Die gefährliche zweite Generation
Die Larven der ersten Generation verlassen die Früchte im Juni, um sich am Stamm zu verpuppen. Ab Juli schlüpfen die Falter der zweiten Generation. Deren Eiablage erfolgt im Juli und August auf die bereits großen, reifenden Früchte [2][5]. Da zu dieser Zeit viel mehr Früchte am Baum hängen und die Temperaturen optimal sind, ist der Schaden durch die zweite Generation meist wesentlich höher und führt zu den typischen "wurmstichigen" Ernten im Spätsommer [3].
Wissenschaftlicher Fakt: Temperaturabhängigkeit
Die Entwicklung des Pflaumenwicklers ist stark temperaturabhängig. Für seine Entwicklung benötigt er Temperaturen über 10 °C. Prognosemodelle wie SOPRA nutzen Temperatursummen, um den Schlupfzeitpunkt der Larven auf den Tag genau vorherzusagen [7][12].

Monitoring: Den Feind im Blick behalten
Bevor man zu Bekämpfungsmaßnahmen greift, sollte man feststellen, wie hoch der Befallsdruck tatsächlich ist. Hierfür haben sich zwei Methoden bewährt:
1. Pheromonfallen
Diese Fallen locken mit einem künstlichen Sexuallockstoff die männlichen Falter an. Sie dienen nicht der direkten Bekämpfung, sondern der Überwachung des Flugverlaufs [2][7]. Ein starker Falterflug (besonders im Mai/Juni) ist ein Warnsignal, bedeutet aber nicht zwangsläufig eine sofortige Eiablage, da hierfür warme, windstille Abende nötig sind [2].
2. Visuelle Kontrolle der Früchte
Ab Juni sollten Sie regelmäßig Stichproben nehmen. Achten Sie auf die Unterseite der Früchte – dort sind die flachovalen, durchscheinenden Eier (ca. 0,7 mm Durchmesser) bei genauem Hinsehen gut erkennbar [2][10]. Die Schadensschwelle liegt je nach Fruchtansatz bei etwa 1 bis 3 Eiern oder Einbohrstellen pro 100 Früchte [6].
Effektive Bekämpfungsmethoden
Es gibt keine "Wunderwaffe", aber eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen kann den Befall drastisch reduzieren.
Biologische Bekämpfung mit Schlupfwespen
Eine der effektivsten biologischen Methoden ist der Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen (insbesondere Trichogramma cacoeciae). Diese winzigen Nützlinge parasitieren die Eier des Pflaumenwicklers und töten den Schädling ab, bevor die Larve schlüpfen kann [3][8]. Die Ausbringung erfolgt über kleine Kärtchen, die in den Baum gehängt werden, sobald der Falterflug seinen Höhepunkt erreicht [5].
Kulturhygiene: Das A und O
Da die Larven in den Früchten leben und diese oft vorzeitig abfallen, ist das konsequente Aufsammeln und Vernichten von Fallobst eine der wichtigsten Maßnahmen [1][3]. Entsorgen Sie befallene Früchte nicht auf dem Kompost, da die Larven dort überleben können, sondern über den Hausmüll oder durch tiefes Vergraben [6].
Wellpappe-Gürtel als Falle
Von August bis September können Sie Gürtel aus Wellpappe am Baumstamm anbringen. Die Larven suchen diese als Winterquartier auf. Ende September nehmen Sie die Gürtel ab und vernichten die darin befindlichen Kokons [1].
Verwirrungstechnik (VT)
Im Erwerbsanbau wird oft die Verwirrungstechnik eingesetzt. Dabei wird die Luft so stark mit Pheromonen gesättigt, dass die Männchen die Weibchen nicht mehr finden können. Für kleine Hausgärten ist diese Methode jedoch nur bedingt geeignet, da die Fläche oft zu klein ist und befruchtete Weibchen aus der Nachbarschaft zufliegen können [1][7].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Bekämpfung?
Der kritische Zeitraum ist der Beginn des Larvenschlupfs der zweiten Generation, meist ab Mitte Juli bis August. Hier erzielen Maßnahmen wie der Einsatz von Schlupfwespen die größte Wirkung [3][5].
Helfen Leimringe gegen den Pflaumenwickler?
Nein. Leimringe helfen gegen den Kleinen Frostspanner, dessen flugunfähige Weibchen am Stamm hochkriechen. Pflaumenwickler-Weibchen können fliegen und lassen sich durch Leimringe nicht aufhalten [1].
Sind befallene Früchte noch essbar?
Theoretisch ja, wenn man die befallenen Stellen großzügig herausschneidet. Allerdings ist das Fruchtfleisch oft bitter und durch den Kot der Larve verunreinigt, was den Genuss erheblich mindert [4].
Gibt es resistente Sorten?
Es gibt keine vollkommen resistenten Sorten, aber frühe Sorten entgehen oft dem starken Befall der zweiten Generation. Späte Sorten wie 'Hauszwetschge' sind hingegen besonders gefährdet [5][6].
Kann ich chemische Spritzmittel verwenden?
Im Haus- und Kleingarten sind derzeit kaum wirksame chemische Insektizide gegen den Pflaumenwickler zugelassen. Der Fokus sollte daher auf biologischen und mechanischen Methoden liegen [1][5].
Fazit
Der Pflaumenwickler ist ein hartnäckiger Gegner, doch mit dem richtigen Wissen und den passenden Pflaumenwickler Bildern im Kopf lässt er sich erfolgreich bekämpfen. Achten Sie ab Juni auf vorzeitig blaue Früchte und Gummitropfen. Durch konsequente Hygiene, den Einsatz von Schlupfwespen und das Monitoring mittels Pheromonfallen sichern Sie sich eine reiche und madenfreie Ernte. Beginnen Sie am besten schon im nächsten Frühjahr mit der Überwachung, um den ersten Falterflug nicht zu verpassen!
Quellenverzeichnis
- Landesamt für Landwirtschaft, Mecklenburg-Vorpommern: Tierische Schaderreger an Steinobst, 2016.
- Agroscope: Pflaumenwickler – Grapholita funebrana, Merkblatt Nr. 105 / 148.
- Landwirtschaftskammer NRW: Pflanzenschutz-Spezial Haus- und Kleingarten: Pflaumenwickler, Nr. 4, 2025.
- Univ.-Doz. Dr. Gerhard Bedlan: Pflaumenwickler (Cydia funebrana) – Schadbild und Ursachen, 2020.
- LTZ Augustenberg: Hinweise zur Pflanzengesundheit: Pflaumenwickler (Pflaumenmade), 2018.
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Krankheiten und Schädlinge an Zwetschgen/Pflaumen, 2005.
- Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau: Pflaumenwickler – Verwirrungstechnik als Basis, 06/2021.
- Rost, W. M. & Hassan, S. A.: Massenzucht und Anwendung von Trichogramma zur Bekämpfung des Pflaumenwicklers, 1993.
- BÖL: Regulierung des Kleinen Fruchtwicklers im ökologischen Obstbau, Abschlussbericht 2006.
- LfL Mecklenburg-Vorpommern: Ei-Stadien des Pflaumenwicklers (Grapholitha funebrana), 2011.
- LfL Bayern: Integrierter Pflanzenschutz - Pflaumensägewespen, 2005.
- Agroscope: Prognosemodell SOPRA für den Obstbau, 2022.