Zu Inhalt springen
Kostenloser Versand ab 29€
Versand 1-2 Tage
4.44 · 245.512+ Kunden
Pflaumenwickler Raupe: Schadbild erkennen und den Schädling biologisch bekämpfen
April 13, 2026 Patricia Titz

Pflaumenwickler Raupe: Schadbild erkennen und den Schädling biologisch bekämpfen

Es ist der Albtraum jedes Hobbygärtners: Man freut sich auf die Ernte saftiger, tiefblauer Zwetschgen, doch beim Hineinbeißen offenbart sich ein unappetitliches Bild. Eine kleine, rötliche Raupe hat sich bereits durch das Fruchtfleisch gefressen und hinterlässt eine Höhlung voller Kotkrümel. Der Verursacher dieses Schadens ist die Pflaumenwickler Raupe (Cydia funebrana), einer der bedeutendsten Schädlinge im Steinobstbau [1]. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen kann dieser unscheinbare Falter bis zu 100 % der Ernte unbrauchbar machen. Doch wie erkennt man den Befall rechtzeitig, und welche biologischen Strategien helfen wirklich, um die Ernte zu retten? In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über die Biologie des Schädlings und wie Sie ihn mit modernsten Methoden wie Schlupfwespen oder der Verwirrungstechnik in Schach halten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Schadbild: Vorzeitige Fruchtreife, bläuliche Verfärbung und charakteristischer Gummifluss aus dem Einbohrloch [4].
  • Biologie: Zwei Generationen pro Jahr; die zweite Generation ab Juli verursacht den Hauptschaden an den reifenden Früchten [8].
  • Erkennung: Rötliche Raupe, ca. 10–12 mm lang, mit dunkelbraunem Kopf [1].
  • Biologische Bekämpfung: Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen und Pheromonfallen zur Überwachung [3].
  • Prävention: Absammeln von Fallobst und Anbringen von Wellpappgürteln am Stamm ab August [2].

Wer ist die Pflaumenwickler Raupe? Identifikation und Biologie

Der Pflaumenwickler (Cydia funebrana, synonym auch Grapholita funebrana) gehört zur Familie der Wickler (Tortricidae). Während der Falter selbst mit einer Flügelspannweite von etwa 12–15 mm eher unauffällig graubraun gefärbt ist, stellt sein Larvenstadium – die Pflaumenwickler Raupe – die eigentliche Gefahr dar [5].

Merkmale der Larve

Die junge Larve ist zunächst weißlich-gelb und färbt sich mit zunehmendem Alter rötlich bis fleischfarben. Im ausgewachsenen Zustand erreicht sie eine Länge von etwa 10 bis 12 mm [1]. Ein wichtiges Identifikationsmerkmal ist der dunkelbraune Kopf und die Tatsache, dass die Raupe 16 Beine besitzt, was sie von anderen Larvenformen unterscheidet [4].

Der Lebenszyklus: Zwei Generationen gegen Ihre Ernte

Der Schädling durchläuft pro Jahr zwei Generationen, was die Bekämpfung komplex macht [8]:

  1. Erste Generation (Mai/Juni): Die Falter schlüpfen aus den Winterquartieren (Kokons in der Rinde oder im Boden). Die Weibchen legen etwa 60 Eier einzeln an die jungen Früchte ab [8]. Die Larven bohren sich ein, was oft zu einem vorzeitigen Fruchtfall im Juni führt. Dieser Schaden wird oft mit dem natürlichen Fruchtfall verwechselt und ist meist wirtschaftlich weniger bedeutend [5].
  2. Zweite Generation (Juli/August): Dies ist die gefährliche Generation. Die Falter legen ihre Eier an die bereits halbreifen Früchte. Die schlüpfenden Raupen bohren sich direkt zum Kern vor und fressen das Fruchtfleisch ringsherum aus [8]. Diese Früchte bleiben oft am Baum hängen, reifen jedoch notreif ab und sind durch die Kotverschmutzung im Inneren ungenießbar.
Wichtiger Hinweis: Die Raupen überwintern in einem festen Gespinst (Kokon) unter Rindenschuppen oder im Boden am Stammgrund [1]. Hier setzen viele mechanische Bekämpfungsmethoden an.

Schadbild erkennen: So identifizieren Sie den Befall

Ein Befall durch die Pflaumenwickler Raupe lässt sich meist schon von außen an deutlichen Symptomen erkennen, bevor man die Frucht öffnet. Die Früchte reagieren auf die Verletzung durch die Larve mit spezifischen Abwehrmechanismen.

Gummifluss und Notreife

Ein charakteristisches Anzeichen ist der sogenannte Gummifluss. Aus dem kleinen Einbohrloch tritt ein farbloser, gummiartiger Safttropfen aus [7]. Dies ist eine Reaktion des Baumes auf die Verletzung des Gewebes. Zudem verfärben sich befallene Früchte oft vorzeitig bläulich oder violett, während gesunde Früchte noch grün sind [5].

Innere Zerstörung

Schneidet man eine befallene Frucht auf, findet man einen Fraßgang, der bis zum Stein führt. Die Höhlung um den Kern ist mit dunklen, feuchten Kotkrümeln gefüllt [4]. Oft sitzt die rötliche Raupe noch direkt am Stein. Durch die Fraßtätigkeit wird das Gewebe zerstört, was sekundär oft zu Pilzinfektionen wie der Monilia-Fruchtfäule führt [2].

Lebenszyklus des Pflaumenwicklers im Jahresverlauf
Lebenszyklus des Pflaumenwicklers im Jahresverlauf

Biologische Bekämpfung: Schlupfwespen und Pheromone

Da chemische Insektizide im Haus- und Kleingarten für den Pflaumenwickler oft nicht zugelassen oder aufgrund der Nützlingsschädigung unerwünscht sind, rücken biologische Verfahren in den Fokus [1].

Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen

Eine der effektivsten Methoden ist der Einsatz von Eiparasiten der Gattung Trichogramma (insbesondere T. cacoeciae). Diese winzigen Erzwespen legen ihre eigenen Eier in die Eier des Pflaumenwicklers ab, wodurch der Schädling noch vor dem Schlüpfen der Raupe abgetötet wird [3]. Für eine erfolgreiche Bekämpfung der zweiten Generation werden meist drei Freilassungen ab Anfang Juli im Abstand von etwa drei Wochen empfohlen [3]. Bei frühen Sorten genügen oft zwei Behandlungen ab Mitte Juni.

Die Verwirrungstechnik (Mating Disruption)

In größeren Gärten oder Erwerbsanlagen wird die Verwirrungstechnik eingesetzt. Dabei werden Pheromon-Dispenser im Baum aufgehängt, die die Luft mit dem weiblichen Sexuallockstoff sättigen. Die Männchen finden die Weibchen nicht mehr, die Paarung bleibt aus, und es werden keine Eier abgelegt [1]. Diese Methode ist besonders effizient, wenn sie großflächig und bei geringem Vorjahresbefall angewendet wird.

Profi-Tipp: Das SOPRA-Modell

Wissenschaftliche Institute nutzen Prognosemodelle wie SOPRA, um den optimalen Zeitpunkt für Bekämpfungsmaßnahmen zu berechnen. Sobald 1–2 % der zweiten Larvengeneration geschlüpft sind, ist der kritische Zeitpunkt für eine Kontrolle oder Behandlung erreicht [1].

Schadbild und Bekämpfung der Pflaumenwickler-Raupe.
Schadbild und Bekämpfung der Pflaumenwickler-Raupe.

Mechanische Maßnahmen und Gartenhygiene

Neben der biologischen Regulierung gibt es einfache mechanische Kniffe, um den Befallsdruck für das nächste Jahr massiv zu senken.

Wellpappgürtel als Falle

Von August bis September können am Baumstamm Gürtel aus Wellpappe angebracht werden. Die ausgewachsenen Raupen suchen diese als ideales Winterquartier auf. Ende September werden die Gürtel abgenommen und mitsamt den darin befindlichen Kokons vernichtet [2]. Dies reduziert die Anzahl der Falter, die im nächsten Frühjahr schlüpfen können, erheblich.

Hygiene: Fallobst entsorgen

Konsequentes Aufsammeln von Fallobst ist essenziell. Da die Larven in den abgefallenen Früchten ihre Entwicklung oft noch abschließen, bevor sie in den Boden oder an den Stamm wandern, unterbricht das Entfernen der Früchte den Lebenszyklus [5]. Wichtig: Die Früchte nicht offen auf den Kompost werfen, sondern tief vergraben oder über den Hausmüll entsorgen.

Biologische und mechanische Bekämpfung des Pflaumenwicklers
Biologische und mechanische Bekämpfung des Pflaumenwicklers

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann man befallene Pflaumen noch essen?

Theoretisch ja, wenn man die betroffenen Stellen großzügig herausschneidet. Allerdings ist das Fruchtfleisch oft durch Kot verschmutzt und schmeckt aufgrund der Notreife fader als gesundes Obst.

Wann ist der beste Zeitpunkt für Pheromonfallen?

Pheromonfallen sollten ab Anfang bis Mitte Mai im Baum hängen. Sie dienen im Kleingarten primär der Überwachung des Flugbeginns, nicht der vollständigen Bekämpfung [5].

Helfen Leimringe gegen die Pflaumenwickler Raupe?

Nein. Leimringe helfen gegen den Kleinen Frostspanner, dessen flugunfähige Weibchen am Stamm hochkriechen. Die Pflaumenwickler-Weibchen können fliegen und landen direkt in der Krone [11].

Gibt es resistente Sorten?

Es gibt keine vollkommen resistenten Sorten, aber frühe Sorten wie 'Ersinger' werden oft weniger stark geschädigt, da sie geerntet werden, bevor die zweite Generation ihren Höhepunkt erreicht [3]. Späte Sorten sind am stärksten gefährdet.

Sind Schlupfwespen gefährlich für Menschen?

Nein, Trichogramma-Schlupfwespen sind winzig (ca. 0,5 mm) und für Menschen, Haustiere und andere nützliche Insekten absolut harmlos. Sie sind hochspezialisiert auf Schmetterlingseier.

Fazit

Die Bekämpfung der Pflaumenwickler Raupe erfordert Geduld und ein gutes Timing. Während mechanische Maßnahmen wie Wellpappgürtel und eine gute Gartenhygiene die Basis bilden, bietet der Einsatz von Nützlingen wie Schlupfwespen eine hochwirksame, biologische Lösung ohne Chemie. Werden diese Methoden kombiniert, steht einer reichen Ernte von madenfreien Zwetschgen und Pflaumen nichts mehr im Wege. Beginnen Sie bereits im Mai mit der Überwachung durch Pheromonfallen, um den optimalen Zeitpunkt für den Nützlingseinsatz im Juli nicht zu verpassen!

Quellenverzeichnis

  1. Agroscope (2022): Pflaumenwickler – Grapholita funebrana. Merkblatt Nr. 148.
  2. LfL Bayern (2005): Zwetschgen/Pflaumen: Krankheiten und Schädlinge. Integrierter Pflanzenschutz.
  3. Rost, W. M. & Hassan, S. A. (1993): Massenzucht und Anwendung von Trichogramma zur Bekämpfung des Pflaumenwicklers. Nachrichtenbl. Deut. Pflanzenschutzd.
  4. Bedlan, G. (2020): Pflaumenwickler: Schadbild und Ursachen. Universität Wien.
  5. Landwirtschaftskammer NRW (2025): Pflanzenschutz-Spezial: Pflaumenwickler im Hausgarten.
  6. LTZ Augustenberg (2018): Hinweise zur Pflanzengesundheit: Pflaumenmade.
  7. LALLF Mecklenburg-Vorpommern (2016): Tierische Schaderreger an Steinobst.

Weiterführende Artikel zum Thema

Schädlingsfrei mit Silberkraft

Schädlingsfrei mit gutem Gewissen!

Schädlingsfrei mit Silberkraft

Schädlingsfrei mit gutem Gewissen!
Aus 300+ Bewertungen
Alle Produkte