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Pflaumenwickler Schmetterling: So schützen Sie Ihre Ernte effektiv vor Maden
April 13, 2026 Patricia Titz

Pflaumenwickler Schmetterling: So schützen Sie Ihre Ernte effektiv vor Maden

Es ist der Albtraum jedes Hobbygärtners: Man freut sich auf eine saftige, süße Zwetschge, beißt hinein und blickt direkt in die Fraßgänge einer rötlichen Made. Der Verursacher dieses Schadbildes ist der Pflaumenwickler Schmetterling (Cydia funebrana). Dieser unscheinbare Falter gehört zu den bedeutendsten Schädlingen im Steinobstbau und kann bei massenhaftem Auftreten die gesamte Ernte ruinieren. Doch wer die Biologie dieses Insekts versteht und die richtigen biologischen sowie mechanischen Abwehrmaßnahmen kombiniert, kann seine Bäume effektiv schützen. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über den Lebenszyklus des Falters, die Erkennung des Befalls und wissenschaftlich fundierte Bekämpfungsstrategien.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Zwei Generationen: Der Falter tritt in zwei Wellen auf (Mai/Juni und Juli/August), wobei die zweite Generation den Hauptschaden verursacht [1].
  • Schadbild: Vorzeitige Blaufärbung, Gummifluss (farblose Tropfen) und Kotkrümel im Inneren der Frucht [3].
  • Monitoring: Pheromonfallen dienen zur Überwachung des Flugbeginns, nicht zur direkten Bekämpfung [11].
  • Biologische Abwehr: Der Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen kann Wirkungsgrade von über 90 % erzielen [6].
  • Hygiene: Konsequentes Aufsammeln von Fallobst unterbricht den Lebenszyklus effektiv [2].
Lebenszyklus des Pflaumenwicklers im Jahresverlauf
Lebenszyklus des Pflaumenwicklers im Jahresverlauf

Biologie und Identifikation des Pflaumenwickler Schmetterlings

Der Pflaumenwickler Schmetterling, wissenschaftlich Cydia funebrana (syn. Grapholita funebrana), ist ein kleiner, eher unauffälliger Nachtfalter aus der Familie der Wickler (Tortricidae). Der Falter selbst erreicht eine Flügelspannweite von etwa 12 bis 15 mm [5]. Seine Vorderflügel sind matt graubraun gefärbt und weisen eine dunkle, oft verschwommene Zeichnung sowie einen charakteristischen aschgrauen Fleck an der Außenecke auf [12].

Der Lebenszyklus: Von der Puppe zum Schädling

Die Entwicklung des Schädlings ist eng an die Witterung und die Phänologie der Obstbäume gebunden. Der Pflaumenwickler überwintert als ausgewachsene Larve in einem festen, seidigen Kokon. Diese Winterquartiere befinden sich meist unter Rindenschuppen am Stammgrund oder in Rindenritzen, seltener auch im Boden [7]. Im Frühjahr, meist zwischen März und Mai, erfolgt die Verpuppung. Nach einer Puppenruhe von etwa vier bis fünf Wochen schlüpfen die Falter der ersten Generation [7].

Der erste Falterflug beginnt je nach Region und Temperatur etwa ab Anfang bis Mitte Mai und zieht sich bis in den Juni hinein [8]. Die Falter sind dämmerungsaktiv und beginnen bei Temperaturen über 15 °C mit der Paarung und Eiablage. Ein einzelnes Weibchen legt insgesamt etwa 40 bis 60 Eier einzeln an die jungen Früchte ab [2]. Die Eier sind winzig (ca. 0,7 bis 1 mm), flachoval, uhrglasartig gestaltet und zunächst fast transparent [14].

Wissenschaftlicher Tipp: Die Entwicklung der Eier dauert je nach Temperatur zwischen 6 und 15 Tagen. Kurz vor dem Schlüpfen der Larve wird die dunkle Kopfkapsel durch die Eihülle sichtbar – ein wichtiger Indikator für den optimalen Zeitpunkt von Pflanzenschutzmaßnahmen [8].

Das Schadbild: Woran erkennt man den Befall?

Der Befall durch den Pflaumenwickler Schmetterling äußert sich in zwei Phasen, die den beiden Generationen entsprechen. Die Schäden der ersten Generation im Juni bleiben oft unbemerkt, da die befallenen Früchte meist vorzeitig abfallen (der sogenannte "Junifall"). Diese Früchte verfärben sich bläulich und weisen im Inneren oft eine rötliche Larve auf [2].

Symptome der zweiten Generation

Die zweite Generation, die ab Juli auftritt, ist für den Hauptschaden verantwortlich. Typische Anzeichen sind:

  • Gummifluss: An der Einbohrstelle tritt oft ein farbloser, gummiartiger Safttropfen aus [3].
  • Notreife: Die Früchte verfärben sich vorzeitig violett oder blau, während gesunde Früchte noch grün sind [1].
  • Fraßhöhlen: Im Inneren der Frucht, meist in Kernnähe, findet man Fraßgänge, die mit dunklen Kotkrümeln gefüllt sind [12].
  • Die Larve: Die Made ist anfangs hellweißlich und färbt sich später intensiv rötlich mit einer dunkelbraunen Kopfkapsel. Sie besitzt 16 Beine und wird etwa 10 bis 12 mm lang [12].
Achtung Verwechslungsgefahr: Die Symptome können mit der Pflaumensägewespe verwechselt werden. Bei der Sägewespe sind die Bohrlöcher jedoch meist größer und die Früchte riechen unangenehm nach Wanzen. Zudem tritt die Sägewespe deutlich früher, direkt nach der Blüte, auf [13].

Monitoring mit Pheromonfallen

Um den Pflaumenwickler Schmetterling effektiv zu bekämpfen, muss man wissen, wann er fliegt. Hierzu werden Pheromonfallen eingesetzt. Diese Fallen enthalten einen synthetischen Sexuallockstoff (Z8-12Ac), der die männlichen Falter anlockt [11]. Die Männchen bleiben auf einer Leimtafel in der Falle kleben.

Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Fallen im Hausgarten primär dem Monitoring dienen. Sie zeigen an, wann der Flug seinen Höhepunkt erreicht, was Rückschlüsse auf den Zeitpunkt der Eiablage und des Larvenschlupfes zulässt [1]. Eine nennenswerte Reduktion der Population allein durch das Wegfangen der Männchen ist in der Regel nicht möglich, da bereits wenige verbleibende Männchen ausreichen, um die Weibchen zu begatten [11].

Monitoring des Pflaumenwicklers mit Pheromonfallen
Monitoring des Pflaumenwicklers mit Pheromonfallen

Biologische Bekämpfung: Die Kraft der Nützlinge

Eine der effektivsten und umweltfreundlichsten Methoden zur Bekämpfung des Pflaumenwickler Schmetterlings ist der Einsatz von Eiparasiten der Gattung Trichogramma. Diese winzigen Schlupfwespen (kleiner als 0,5 mm) legen ihre eigenen Eier in die Eier des Pflaumenwicklers ab. Die Schlupfwespenlarve entwickelt sich im Inneren des Schmetterlingseies und tötet den Schädling ab, noch bevor die schädliche Made schlüpfen kann [6].

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Trichogramma

Studien von Rost und Hassan (1993) haben gezeigt, dass insbesondere der Stamm Trichogramma cacoeciae hervorragende Ergebnisse liefert. Bei Versuchen in kommerziellen Anlagen konnten Wirkungsgrade von bis zu 94,4 % erzielt werden [6]. Für den Hausgarten werden diese Nützlinge oft auf Pappkärtchen geliefert, die einfach in den Baum gehängt werden. Der optimale Zeitpunkt für die Ausbringung ist der Beginn der Eiablage der zweiten Generation, meist ab Anfang Juli [3].

Strategischer Aktionsplan zur biologischen Schädlingsbekämpfung
Strategischer Aktionsplan zur biologischen Schädlingsbekämpfung

Mechanische und kulturtechnische Maßnahmen

Neben der biologischen Bekämpfung spielen mechanische Methoden eine zentrale Rolle im integrierten Pflanzenschutz. Diese zielen darauf ab, den Lebenszyklus des Pflaumenwickler Schmetterlings zu unterbrechen.

1. Hygiene und Fallobstmanagement

Befallene Früchte fallen oft vorzeitig ab, während die Larve noch im Inneren frisst. Wenn dieses Fallobst liegen bleibt, verlässt die Larve die Frucht und sucht sich ein Winterquartier am Stamm oder im Boden. Durch konsequentes Aufsammeln und Vernichten (nicht auf den Kompost!) der befallenen Früchte alle 2-3 Tage kann der Befallsdruck für das nächste Jahr massiv gesenkt werden [2][5].

2. Wellpappgürtel als Larvenfalle

Eine bewährte Methode ist das Anbringen von Gürteln aus Wellpappe am Baumstamm. Von Juni bis September suchen die Larven nach Verstecken für die Verpuppung oder Überwinterung. Die Hohlräume der Wellpappe simulieren ideale Rindenritzen. Wenn diese Gürtel Ende September abgenommen und verbrannt oder über den Hausmüll entsorgt werden, entfernt man eine große Anzahl an künftigen Faltern [2].

3. Verwirrungstechnik (Pheromon-Konfusion)

In größeren Obstanlagen wird die Verwirrungstechnik eingesetzt. Dabei wird die Luft so stark mit weiblichen Sexuallockstoffen gesättigt, dass die Männchen die Weibchen nicht mehr finden können. In der Schweiz wird diese Methode zunehmend auch auf kleineren Flächen (unter 1 ha) in Kombination mit anderen Maßnahmen erfolgreich getestet [11]. Für den kleinen Hausgarten mit nur einem Baum ist diese Methode jedoch aufgrund der Randeffekte weniger geeignet.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Wann ist der beste Zeitpunkt, um gegen den Pflaumenwickler vorzugehen?
Die wichtigste Phase ist der Beginn der zweiten Generation im Juli. Hier sollten Nützlinge ausgebracht oder die Früchte besonders streng kontrolliert werden [1].

2. Helfen Leimringe gegen den Pflaumenwickler Schmetterling?
Nein. Leimringe helfen gegen den Kleinen Frostspanner, dessen flugunfähige Weibchen am Stamm hochkriechen. Der Pflaumenwickler ist ein flugfähiger Falter, der seine Eier direkt an die Früchte legt [13].

3. Kann man befallene Pflaumen noch essen?
Theoretisch ja, wenn man die betroffenen Stellen großzügig herausschneidet. Allerdings ist das Fruchtfleisch oft durch Kot verunreinigt und schmeckt fade [12].

4. Welche Sorten sind besonders anfällig?
Mittelspäte und späte Sorten wie 'Hauszwetschge' oder 'Ortenauer' sind meist stärker betroffen als sehr frühe Sorten, da sie länger am Baum hängen und somit der zweiten Generation voll ausgesetzt sind [3][6].

5. Gibt es zugelassene Insektizide für den Hausgarten?
Derzeit sind für den Haus- und Kleingarten kaum wirksame chemisch-synthetische Insektizide gegen den Pflaumenwickler zugelassen. Biologische Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis (Bt) zeigten in Versuchen nur dann eine Wirkung, wenn sie sehr präzise zum Zeitpunkt des Larvenschlupfes ausgebracht wurden [4].

Fazit

Der Pflaumenwickler Schmetterling ist ein hartnäckiger Gegner, doch er ist nicht unbesiegbar. Die effektivste Strategie ist eine Kombination aus Monitoring (Pheromonfallen), biologischer Kontrolle (Trichogramma-Schlupfwespen) und strenger Gartenhygiene (Aufsammeln von Fallobst). Wer diese Maßnahmen konsequent umsetzt, kann den Befall drastisch reduzieren und sich wieder auf eine madenfreie Ernte freuen. Fangen Sie am besten schon im nächsten Frühjahr mit dem Aufhängen einer Pheromonfalle an, um den Flugbeginn nicht zu verpassen!

Quellenverzeichnis

  1. Agroscope (2022): Merkblatt Nr. 148 - Pflaumenwickler Grapholita funebrana.
  2. LfL Bayern (2005): Krankheiten und Schädlinge an Zwetschgen/Pflaumen.
  3. LTZ Augustenberg (2018): Hinweise zur Pflanzengesundheit - Pflaumenwickler.
  4. BÖL Abschlussbericht (2006): Regulierung des Kleinen Fruchtwicklers im ökologischen Obstbau, Universität Hohenheim.
  5. LWK NRW (2025): Pflanzenschutz-Spezial Haus- und Kleingarten Nr. 4.
  6. Rost, W. M. & Hassan, S. A. (1993): Massenzucht und Anwendung von Trichogramma zur Bekämpfung des Pflaumenwicklers.
  7. Bedlan, G. (2020): Pflaumenwickler - Schadbild und Schädling.
  8. Maja Michel (2011): Ei-Stadien des Pflaumenwicklers, Landesamt für Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern.
  9. Schildberger, B. et al. (2005): Auftreten von Pfirsichwickler und Pfirsichmotte, Mitteilungen Klosterneuburg.
  10. Agroscope: Prognosemodell SOPRA für den Obstbau.
  11. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau (06/2021): Verwirrungstechnik als Basis einer Bekämpfungsstrategie.
  12. Agroscope Merkblatt Nr. 105: Pflaumenwickler Biologie und Beschreibung.
  13. Landesamt für Landwirtschaft M-V: Hinweise für den Kleingärtner - Steinobst.
  14. Friedrich & Rode (1996): Pflanzenschutz im integrierten Obstbau, Ulmer Verlag.
  15. Samietz, J. et al. (2011): Web-Based Decision Support for Sustainable Pest Management.

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