Ein dunkler Winkel, ein leichtes Zittern im Augenwinkel und plötzlich huscht sie über den Boden: Die Keller Spinne ist für viele Hausbesitzer ein Quell des Unbehagens. Doch hinter dem achtbeinigen Bewohner verbirgt sich weit mehr als nur ein gruseliger Anblick. In der Welt der Arachnologie gelten Keller und Souterrains als faszinierende Ökosysteme, die spezialisierten Arten einen stabilen Lebensraum bieten. Während wir Menschen uns oft vor ihnen ekeln, leisten diese Tiere einen unschätzbaren Dienst als natürliche Schädlingsbekämpfer. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über die Biologie der gängigsten Arten, warum sie sich gerade in Ihrem Keller so wohlfühlen und wie Sie mit ihnen auf ökologische Weise koexistieren oder sie sanft nach draußen befördern können.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Nützlichkeit: Kellerspinnen fressen Mücken, Fliegen und sogar Silberfischchen.
- Häufigste Arten: Die Große Zitterspinne und die Hausspinne (Winkelspinne) dominieren deutsche Keller.
- Harmlosigkeit: Keine heimische Kellerspinne ist für den Menschen gefährlich.
- Prävention: Fliegengitter und das Abdichten von Mauerrissen reduzieren den Zuzug.
- Sanfte Entfernung: Ein Glas und eine Postkarte sind effektiver und tierfreundlicher als der Staubsauger.
Die Biologie der Keller Spinne: Warum gerade dort?
Keller bieten Bedingungen, die vielen Spinnenarten entgegenkommen: eine relativ konstante Temperatur, hohe Luftfeuchtigkeit und Schutz vor Fressfeinden wie Vögeln. Viele Arten, die wir heute im Haus finden, stammen ursprünglich aus Höhlen oder felsigen Regionen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass synanthrope Arten – also Tiere, die die Nähe des Menschen suchen – im Haus oft Bedingungen vorfinden, die ihren natürlichen Habitaten in der Wildnis ähneln [2].
Das Mikroklima im Souterrain
Die meisten Spinnen im Keller sind auf eine gewisse Grundfeuchtigkeit angewiesen, um nicht auszutrocknen. Während die Zitterspinne (*Pholcus phalangioides*) auch mit trockenerer Zimmerluft zurechtkommt, bevorzugen Winkelspinnen oft die kühleren, feuchteren Ecken in Bodennähe. In ökologischen Studien zu Wald- und Auenhabitaten wird oft deutlich, wie stark Spinnen auf kleinste Veränderungen der Feuchtigkeit reagieren [1]. Im Keller simuliert die Bauweise oft diese stabilen Bedingungen, die sonst nur in tiefen Laubschichten oder Felsspalten zu finden sind [4].
Die Hauptakteure: Welche Arten leben in Ihrem Keller?
Nicht jede Spinne im Haus ist gleich. Es gibt deutliche Unterschiede in Aussehen, Jagdstrategie und Verhalten. Hier sind die drei am häufigsten vorkommenden Gruppen:
1. Die Große Zitterspinne (*Pholcus phalangioides*)
Sie ist der Klassiker unter den Kellerspinnen. Mit ihren extrem langen, dünnen Beinen und dem kleinen, grauen Körper wirkt sie fast zerbrechlich. Ihr Name rührt von ihrem Verteidigungsmechanismus her: Bei Gefahr versetzt sie ihr Netz in so starke Schwingungen, dass sie für den Angreifer unsichtbar wird [3]. Interessanterweise ist diese Spinne ein gefürchteter Jäger, der sogar deutlich größere Winkelspinnen überwältigt, indem sie diese aus sicherer Entfernung mit klebrigen Fäden einspinnt.
2. Die Hausspinne oder Winkelspinne (*Eratigena* spp.)
Oft fälschlicherweise als "Tarantel" bezeichnet, ist die Hausspinne aufgrund ihrer Größe und Behaarung für viele der Inbegriff der Ekel-Spinne. Arten wie *Eratigena atrica* können eine beachtliche Beinspannweite erreichen. Sie bauen trichterförmige Netze in Ecken (daher der Name Winkelspinne). Wissenschaftliche Bestandserfassungen in Sachsen-Anhalt und anderen Regionen zeigen, dass diese Gattung fest zum Inventar menschlicher Siedlungen gehört [2][4]. Sie sind extrem schnell und können bei der Jagd kurze Sprints einlegen, was sie zu effektiven Jägern am Boden macht.
3. Die Speispinne (*Scytodes thoracica*)
Ein seltenerer, aber faszinierender Gast ist die Speispinne. Sie ist deutlich kleiner und hat eine charakteristische gelblich-braune Musterung. Ihre Jagdmethode ist einzigartig: Sie spuckt eine Mischung aus Gift und Leim auf ihre Beute, um diese am Boden zu fixieren [2]. Diese Art ist streng synanthrop und kommt in Mitteleuropa fast ausschließlich in Gebäuden vor, da sie die Wärme liebt.
Ökologischer Nutzen: Warum Sie die Keller Spinne schätzen sollten
Bevor Sie zum Besen greifen, sollten Sie bedenken, dass jede Spinne in Ihrem Keller eine kostenlose "Schädlingsbekämpfungs-Einheit" ist. Spinnen sind Generalisten und fressen fast alles, was kleiner ist als sie selbst. In einem typischen Keller stehen auf ihrem Speiseplan:
- Stechmücken: Besonders im Sommer reduzieren Zitterspinnen die Anzahl der Plagegeister, die durch offene Kellerfenster eindringen.
- Fliegen: Stubenfliegen und Fruchtfliegen werden effizient in den Netzen abgefangen.
- Silberfischchen: Winkelspinnen jagen diese am Boden lebenden Insekten, die oft in feuchten Kellern vorkommen.
- Asseln: Auch Kellerasseln werden gelegentlich erbeutet, obwohl sie durch ihren Panzer gut geschützt sind.
Untersuchungen in alpinen Grasländern und anderen natürlichen Habitaten unterstreichen die Rolle von Spinnen als Regulatoren in Insektenpopulationen [5]. Im Mikrokosmos Ihres Hauses übernehmen sie genau diese Funktion und halten das biologische Gleichgewicht aufrecht.
Umgang und Entfernung: Wenn es doch zu viele werden
Trotz aller Nützlichkeit gibt es Grenzen der Gastfreundschaft. Wenn die Population überhandnimmt oder die Angst zu groß wird, helfen folgende Maßnahmen:
Sanftes Entfernen statt Töten
Das Töten von Spinnen ist meist unnötig. Ein klassischer Spinnenfänger oder ein einfaches Glas mit einem Stück festem Papier reicht aus. Stülpen Sie das Glas über die Spinne, schieben Sie das Papier vorsichtig darunter und lassen Sie das Tier in einiger Entfernung zum Haus (mindestens 10 Meter) wieder frei. So verhindern Sie, dass die Spinne sofort wieder zurückkehrt.
Präventive Maßnahmen
Um den Zuzug von vornherein zu begrenzen, können Sie folgende Tipps beherzigen:
- Fliegengitter: Bringen Sie engmaschige Gitter an Kellerfenstern an.
- Risse abdichten: Spinnen nutzen kleinste Spalten im Mauerwerk als Zugang. Silikon oder Acryl können hier Abhilfe schaffen.
- Ordnung halten: Stapel von Zeitungen oder altem Holz bieten ideale Verstecke. Je aufgeräumter der Keller, desto weniger attraktiv ist er für Spinnen.
- Lichtmanagement: Insekten werden von Licht angezogen, und Spinnen folgen ihrer Nahrung. Vermeiden Sie unnötiges Licht im Außenbereich der Kellerzugänge.
Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Forschung
In der modernen Forschung werden Spinnen zunehmend als Indikatoren für die Qualität von Lebensräumen genutzt. Während Studien in Südtirol die Bedeutung von Uferzonen hervorheben [1], zeigen Untersuchungen in Bayern, wie unterschiedlich Spinnengemeinschaften auf verschiedene Waldstrukturen reagieren [4]. Diese Sensibilität gegenüber ihrer Umwelt macht sie auch im Haus zu Anzeigern für das Raumklima. Ein plötzliches Massenauftreten von Winkelspinnen im Herbst ist oft kein Zeichen für mangelnde Hygiene, sondern schlicht die Paarungszeit, in der die Männchen auf der Suche nach Weibchen ihre Netze verlassen und umherwandern [2].
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Kellerspinnen in Deutschland giftig?
Alle Spinnen besitzen Gift, um ihre Beute zu betäuben. Die in deutschen Kellern vorkommenden Arten sind jedoch für den Menschen völlig harmlos, da ihre Beißwerkzeuge die menschliche Haut meist nicht durchdringen können.
Warum kommen Spinnen im Herbst vermehrt in den Keller?
Im Herbst sinken die Außentemperaturen, und viele Arten suchen Schutz in Gebäuden. Zudem ist bei vielen Hausspinnen im Spätsommer Paarungszeit, weshalb die Männchen aktiv umherlaufen und so öfter gesichtet werden.
Hilft Lavendel gegen Kellerspinnen?
Es gibt Hinweise darauf, dass Spinnen bestimmte Gerüche wie Lavendel, Pfefferminze oder Zitrone meiden. Eine wissenschaftliche Garantie für eine 100%ige Abwehr gibt es jedoch nicht, es kann aber als sanfte Unterstützung dienen.
Was ist der Unterschied zwischen Hausspinne und Zitterspinne?
Die Hausspinne (Winkelspinne) ist kräftig, behaart und lebt meist am Boden oder in Ecken. Die Zitterspinne hat extrem lange, dünne Beine, einen kleinen Körper und baut unordentliche Netze meist unter der Decke.
Fressen Zitterspinnen wirklich andere Spinnen?
Ja, Zitterspinnen sind spezialisierte Jäger anderer Spinnen. Trotz ihres fragilen Aussehens können sie die viel größeren Winkelspinnen erbeuten, indem sie diese geschickt einwickeln.
Fazit
Die Keller Spinne ist ein faszinierender Mitbewohner, der weit mehr Respekt verdient, als ihm meist entgegengebracht wird. Als hocheffiziente Jäger halten sie unsere Häuser frei von lästigen Insekten und sind ein Zeichen für ein funktionierendes, wenn auch kleines Ökosystem. Wer die Tiere nicht im Haus haben möchte, sollte auf sanfte Barrieren und ökologische Entfernungsmethoden setzen. Ein tieferes Verständnis für ihre Lebensweise hilft oft schon dabei, die Angst zu mindern und die nützlichen Achtbeiner mit anderen Augen zu sehen. Wenn Sie das nächste Mal eine Spinne im Keller entdecken, denken Sie daran: Sie ist wahrscheinlich gerade dabei, die nächste Mücke für Sie zu fangen.
Quellen und weiterführende Literatur
- Steinberger, K.-H. (2004): Die Spinnen (Araneae) und Weberknechte (Opiliones) der Etsch-Auen in Südtirol. Gredleriana Vol. 4.
- Kielhorn, K.-H. (2015): Webspinnen (Arachnida: Araneae) - Bestandssituation in Sachsen-Anhalt. Landesamt für Umweltschutz.
- Kielhorn, K.-H. (2008): A glimpse of the tropics – spiders in the greenhouses of the Botanic Garden Berlin-Dahlem. Arachnol. Mitt.
- Engel, K. (2001): Vergleich der Webspinnen (Araneae) und Weberknechte (Opiliones) in Buchen- und Fichtenbeständen Bayerns. Arachnol. Mitt.
- Höfer, H. et al. (2010): Artenvielfalt und Diversität der Spinnen auf einem beweideten Allgäuer Grasberg. Andrias 18.
- Reimann, A. (2014): Webspinnen (Araneae) und Weberknechte (Opiliones) aus der Kleinraschützer Heide. Sächsische Entomologische Zeitschrift.
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