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Was kann man gegen Drahtwürmer machen? Effektive Strategien
April 15, 2026 Patricia Titz

Was kann man gegen Drahtwürmer machen? Effektive Strategien

Wer Kartoffeln, Salat, Wurzelgemüse oder Mais anbaut, kennt und fürchtet ihn: den Drahtwurm. Die goldgelben, hart gepanzerten Larven der Schnellkäfer (Agriotes spp.) fressen sich unerbittlich durch unterirdische Pflanzenteile, durchlöchern Knollen und bringen Jungpflanzen zum Absterben. Da in den letzten Jahren nahezu alle hochwirksamen chemisch-synthetischen Bodeninsektizide aus Gründen des Umwelt- und Anwenderschutzes verboten wurden, stehen Landwirte und Hobbygärtner vor einer massiven Herausforderung [5]. Die Frage "Was kann man gegen Drahtwürmer machen?" lässt sich heute nicht mehr mit dem Griff zur Giftspritze beantworten. Stattdessen ist ein tiefgreifendes, strategisches Vorgehen gefragt, das die Biologie des Schädlings ausnutzt. In diesem Artikel beleuchten wir die effektivsten pflanzenbaulichen, biologischen und alternativen Methoden, um die Drahtwurmpopulation nachhaltig unter die Schadschwelle zu drücken.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fruchtfolge anpassen: Der Anbau von anfälligen Kulturen (wie Kartoffeln) sollte in den ersten drei Jahren nach einem Wiesenumbruch strikt vermieden werden.
  • Bodenbearbeitung terminieren: Eine flache Stoppelbearbeitung im Spätsommer (August/September) bringt empfindliche Eier und Junglarven an die Oberfläche, wo sie vertrocknen.
  • Biologische Bekämpfung: Der Einsatz insektenpathogener Pilze (z. B. Metarhizium brunneum) zeigt in Kombination mit "Attract-and-Kill"-Strategien vielversprechende Ergebnisse.
  • Alternative Düngung: Kalkstickstoff hat eine repellente (abschreckende) Wirkung, reicht als alleinige Maßnahme jedoch nicht aus.
  • Monitoring: Köderfallen helfen, das Befallsrisiko vor dem Anbau abzuschätzen, auch wenn sie keine absolute Sicherheit bieten.
Richtige Bodenbearbeitung gegen Drahtwürmer im Spätsommer.
Richtige Bodenbearbeitung gegen Drahtwürmer im Spätsommer.

Pflanzenbauliche Maßnahmen: Dem Drahtwurm die Lebensgrundlage entziehen

Da direkte Bekämpfungsmethoden stark limitiert sind, bildet die Kulturtechnik das absolute Fundament der Drahtwurmregulierung. Das Ziel ist es, die Populationsdichte so gering zu halten, dass keine wirtschaftlichen oder nennenswerten Schäden entstehen. Dies erfordert ein Verständnis für den 3- bis 5-jährigen Lebenszyklus des Schädlings [3].

Die richtige Fruchtfolge und das Problem des Wiesenumbruchs

Schnellkäferweibchen legen ihre Eier bevorzugt in dichte, feuchte und ungestörte Pflanzenbestände ab. Mehrjährige Kunstwiesen, Dauergrünland oder stark verunkrautete Brachen sind ideale Brutstätten [2]. Wenn eine solche Wiese umgebrochen wird (Wiesenumbruch), befinden sich Millionen von Larven in verschiedenen Entwicklungsstadien im Boden. Werden nun direkt im Anschluss anfällige Kulturen wie Kartoffeln, Mais oder Salat gepflanzt, ist ein Totalschaden fast vorprogrammiert.

Was Sie tun müssen:

  • Sperrfrist einhalten: Auf gefährdeten Parzellen oder nach einem Wiesenumbruch sollte in den ersten zwei bis drei Jahren strikt auf den Anbau von Kartoffeln und anfälligem Wurzelgemüse verzichtet werden [2].
  • Günstige Vorfrüchte wählen: Bauen Sie stattdessen Kulturen an, die weniger anfällig sind oder eine intensive Bodenbearbeitung erfordern. Körnerleguminosen (Eiweißerbsen, Ackerbohnen) oder Brassica-Arten (z. B. Gelbsenf als Gründüngung) haben sich als vorteilhaft erwiesen [2, 3].
  • Flächenmanagement: Beschränken Sie die Flächennutzung in bekannten "Drahtwurmlagen" auf tolerante Kulturen. Kohlarten gelten beispielsweise als relativ robust gegenüber Drahtwurmfraß [1].

Praxis-Tipp: Frühe Sorten wählen

Der Anbau von frühen Kartoffelsorten und eine rechtzeitige Ernte bei ausreichender Schalenfestigkeit vermindern das Schadensrisiko erheblich. Da Drahtwürmer im Spätsommer (ab August/September) eine zweite, sehr intensive Fraßphase beginnen, entziehen Sie dem Schädling durch eine frühe Ernte schlichtweg die Nahrung [2].

Gezielte Bodenbearbeitung zur Dezimierung der Population

Bodenbearbeitung ist eine der effektivsten mechanischen Methoden gegen Drahtwürmer, muss aber zum exakt richtigen Zeitpunkt erfolgen. Drahtwürmer wandern bei Trockenheit oder Kälte in tiefere Bodenschichten ab (bis zu 60 cm tief), wo sie für mechanische Geräte unerreichbar sind [1].

Die Achillesferse des Schädlings sind die Eier, die Junglarven und die Puppen. Diese Entwicklungsstadien sind extrem empfindlich gegenüber Austrocknung und mechanischer Zerstörung. Die Verpuppung der älteren Larven findet im Juli und August statt, der Schlupf der Junglarven aus den Eiern erfolgt im Frühsommer [3].

Die optimale Strategie: Führen Sie im Spätsommer (August und September) eine flache Stoppelbearbeitung durch. Nutzen Sie dazu Scheibeneggen, Hacken oder Fräsen. Diese Maßnahme befördert die empfindlichen Stadien an die Bodenoberfläche, wo sie durch die Sonne austrocknen oder von natürlichen Feinden (Vögel, Laufkäfer) gefressen werden [3]. Wichtig: Diese Maßnahme ist am effektivsten einige Tage nach Niederschlägen, wenn die Drahtwürmer durch die Feuchtigkeit in die oberen Bodenschichten gelockt wurden [2].

Standortwahl und Unkrautregulierung

Drahtwürmer bevorzugen humus- und tonreiche, schwere Böden, die Feuchtigkeit gut halten. Auf humusarmen, leichten und sandigen Böden ist das Befallsrisiko von Natur aus geringer, da diese schneller abtrocknen und den Larven keinen optimalen Lebensraum bieten [2, 3]. Wenn Sie die Wahl haben, platzieren Sie anfällige Kulturen auf leichteren Böden.

Zudem ist eine konsequente Unkrautregulierung essenziell. Flächendeckende Unkräuter (insbesondere Quecken und Gräser) bieten den Schnellkäferweibchen hochattraktive Plätze für die Eiablage. Werden diese regelmäßig beseitigt, sinkt der Befallsdruck für die Folgejahre [3].

Biologische Bekämpfung: Pilze und Biofumigation

Da chemische Insektizide wie Chlorpyrifos oder Fipronil keine Zulassung mehr besitzen [5], rücken biologische Gegenspieler in den Fokus der Forschung und Praxis. Hierbei geht es nicht um sofortige Ausrottung, sondern um eine nachhaltige Etablierung von Krankheitserregern im Boden, die die Drahtwurmpopulation regulieren.

Insektenpathogene Pilze (Metarhizium und Beauveria)

Pilze aus den Gattungen Metarhizium (z. B. Metarhizium brunneum oder M. anisopliae) und Beauveria sind natürliche Gegenspieler von Bodeninsekten. Die Sporen dieser Pilze haften an der Haut des Drahtwurms, keimen aus und das Myzel dringt in das Körperinnere ein. Der Pilz durchwächst das Insekt, tötet es ab und bildet auf der Oberfläche des toten Wirtes neue Sporen, die weitere Larven infizieren können [3].

In der Praxis gestaltet sich der Einsatz jedoch komplex. Freilandversuche zeigten oft schwankende Wirkungsgrade. In einem Versuch mit dem Stamm ART-2825 konnte bei der Art Agriotes ustulatus ein Wirkungsgrad von 65 % erreicht werden, während bei Agriotes sputator nur eine Reduktion von 21 % erzielt wurde [1]. Die Pilze wirken oft artspezifisch und benötigen optimale Bodenfeuchte und Temperaturen, um zu keimen.

Die "Attract-and-Kill"-Methode

Um die Effizienz der Pilze zu steigern, wurde das "Attract-and-Kill"-Verfahren entwickelt (z. B. im Produkt Attracap). Da Drahtwürmer im Boden durch CO2-Ausdünstungen von Pflanzenwurzeln angelockt werden, nutzt man diesen Mechanismus aus. Es werden Kapseln (z. B. auf Alginat-Basis oder Hefe-Granulate) in den Boden eingebracht, die CO2 freisetzen und gleichzeitig mit Pilzsporen beschichtet sind. Der Drahtwurm wird aktiv zur Kapsel gelockt, kommt unweigerlich mit der tödlichen Pilzspore in Kontakt und stirbt [3]. Dieses Granulat darf meist nur mit speziellen Streuern direkt bei der Pflanzung (z. B. von Kartoffeln) appliziert werden [2].

Biofumigation: Die Kraft der Kreuzblütler

Eine weitere biologische Methode ist die Biofumigation. Hierbei werden Pflanzen (hauptsächlich Kreuzblütler wie Senf oder Ölrettich) angebaut, die reich an Glucosinolaten (Senföl-Glycosiden) sind. Wenn diese Pflanzen in der Blütezeit gehäckselt und sofort in den feuchten Boden eingearbeitet werden, wandeln Enzyme die Glucosinolate in toxische und repellente Isothiocyanate um. Diese Gase wirken toxisch auf bodenbürtige Schädlinge, einschließlich Drahtwürmer. Versuche zeigen jedoch, dass diese Methode nur unter absolut optimalen Bedingungen (ausreichend Biomasse, feuchter Boden, sofortige Einarbeitung) und meist nur in Kombination mit anderen Methoden zufriedenstellende Ergebnisse liefert [3].

Attract-and-Kill-Methode mit Pilzen gegen Drahtwürmer.
Attract-and-Kill-Methode mit Pilzen gegen Drahtwürmer.

Alternative Substanzen: Kalkstickstoff und Niem-Produkte

In der Verzweiflung greifen viele Anbauer zu alternativen Düngemitteln oder Pflanzenextrakten. Die Wissenschaft hat einige dieser Mittel auf ihre Wirksamkeit gegen Drahtwürmer untersucht.

Kalkstickstoff (CaCN2)

Kalkstickstoff wird oft als Wundermittel gegen Bodenkrankheiten und Schädlinge angepriesen. Laborversuche haben gezeigt, dass Kalkstickstoff gegenüber älteren Drahtwurmstadien nicht toxisch (tödlich), aber stark repellent (abschreckend) wirkt. Bei einer Aufwandmenge, die 750 kg/ha entspricht, wichen die Drahtwürmer in einer Distanz von 25 bis 40 cm zurück [1]. In der Praxis bedeutet dies: Eine gezielte Reihendüngung mit Kalkstickstoff kann die Drahtwürmer kurzfristig von den Wurzeln oder Knollen fernhalten. Es bietet jedoch keinen absoluten Schutz und reduziert die Gesamtpopulation auf dem Feld nicht signifikant [2]. Zudem muss die Düngerverordnung beachtet werden.

Niem-Produkte (Neem)

Produkte aus dem Niembaum (Wirkstoff Azadirachtin) sind im ökologischen Landbau weit verbreitet. In Versuchen mit Niempresskuchen (NPK) konnte in Präferenzversuchen (Multiple-Choice) eine repellente Wirkung nachgewiesen werden, allerdings erst bei extrem hohen, 10-fachen Konzentrationen. Bei praxisüblichen Aufwandmengen (z. B. 40 kg NPK/ha im Freilandversuch bei Kopfsalat) konnte kein Effekt in Bezug auf eine Reduktion des Drahtwurm-Fraßschadens erreicht werden [1]. Auch flüssige Neem-Präparate (wie NeemAzal-T/S), die in Pflanzballen injiziert wurden, zeigten lediglich eine Verzögerung der Fraßaktivität um wenige Tage, verhinderten den Schaden aber nicht [1].

Anleitung zur Drahtwurm-Überwachung mit Köderfallen.
Anleitung zur Drahtwurm-Überwachung mit Köderfallen.

Monitoring: Das Befallsrisiko richtig einschätzen

Bevor Sie anfällige Kulturen pflanzen, sollten Sie wissen, ob und wie stark Ihre Fläche befallen ist. Hierfür gibt es zwei Hauptmethoden, die jedoch beide ihre Tücken haben.

Köderfallen für Larven

Die bekannteste Methode ist das Eingraben von Ködern. Im Frühling oder Herbst (bei Bodentemperaturen über 15 °C) werden pro Parzelle 10 bis 15 Becher mit vorgequollenen Weizen- oder Maiskörnern (oder halbierten Kartoffeln) in den Boden eingegraben. Nach 7 bis 10 Tagen werden die Fallen kontrolliert. Findet sich durchschnittlich ein Drahtwurm pro Falle, gilt das Feld als stark befallen, und der Anbau anfälliger Kulturen sollte überdacht werden [3].

Achtung: Trügerische Sicherheit

Köderfallen sind leider unzuverlässig. Einerseits können bereits geringe Populationen (die in den Fallen kaum auffallen) hohe Schäden verursachen. Andererseits gibt es Fälle mit hohen Fangzahlen, bei denen die Ernte unbeschädigt bleibt, weil die Bodenbedingungen (z. B. ausreichend Feuchtigkeit fernab der Knollen) ein Eindringen der Würmer in die Kulturpflanze nicht fördern [2]. Ein negativer Befund in der Falle bedeutet also keinen Freifahrtschein.

Pheromonfallen für Schnellkäfer

Mit artspezifischen Pheromonfallen können die männlichen Schnellkäfer während ihrer Flugzeit (April bis Juli) angelockt werden. Dies dient der Bestimmung, welche Agriotes-Arten (z. B. A. lineatus, A. obscurus, A. sordidus) auf der Fläche vorkommen. Für eine direkte Bekämpfung ("Massenfang") oder eine exakte Schadensprognose sind diese Fallen jedoch nicht geeignet, da die Weibchen ihre Eier nicht zwingend am Standort der Falle ablegen [3].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was hilft schnell gegen Drahtwürmer?

Es gibt keine schnelle Lösung oder chemische "Wunderwaffe" mehr gegen Drahtwürmer. Die Bekämpfung erfordert eine langfristige Strategie aus angepasster Fruchtfolge, gezielter Bodenbearbeitung im Spätsommer und dem Einsatz biologischer Präparate über mehrere Jahre.

Wann ist die beste Zeit zur Bekämpfung von Drahtwürmern?

Die effektivste Zeit für mechanische Maßnahmen (Bodenbearbeitung) ist der Spätsommer (August bis September), da hier empfindliche Puppen und Junglarven an die Oberfläche gebracht werden. Biologische Mittel (Pilze) werden meist im Frühjahr bei der Pflanzung ausgebracht.

Helfen Hausmittel wie eingegrabene Kartoffelhälften?

Kartoffelhälften eignen sich hervorragend als Köderfallen, um festzustellen, ob Drahtwürmer im Beet vorhanden sind. Zur tatsächlichen Bekämpfung oder Ausrottung der Population reicht diese Methode jedoch bei Weitem nicht aus.

Welche Pflanzen mögen Drahtwürmer nicht?

Drahtwürmer meiden in der Regel Leguminosen (Erbsen, Bohnen) sowie verschiedene Kreuzblütler (wie Senf oder Kohlarten). Diese Pflanzen eignen sich hervorragend als Vorfrüchte oder Zwischenfrüchte in einer drahtwurmgeplagten Fruchtfolge.

Darf ich chemische Insektizide gegen Drahtwürmer einsetzen?

Nein, die meisten hochwirksamen chemischen Bodeninsektizide (wie Fipronil oder Chlorpyrifos) haben in der EU und der Schweiz ihre Zulassung verloren. Der Fokus liegt heute zwingend auf biologischen und kulturtechnischen Maßnahmen.

Fazit: Ein langer Atem ist gefragt

Die Zeiten, in denen man Drahtwürmer mit einer einzigen chemischen Behandlung aus dem Feld verbannen konnte, sind vorbei. Wer heute fragt, was man gegen Drahtwürmer machen kann, muss sich auf ein integriertes Pflanzenschutzkonzept einstellen. Die Vermeidung von Wiesenumbruch vor anfälligen Kulturen, die konsequente, flache Bodenbearbeitung im Spätsommer und der smarte Einsatz von biologischen Gegenspielern wie Metarhizium brunneum bilden die Speerspitze der modernen Drahtwurmbekämpfung. Kombinieren Sie diese Methoden, beobachten Sie Ihre Flächen genau und passen Sie Ihre Fruchtfolge an – so können Sie auch in Zukunft erfolgreich und schadfrei Kartoffeln, Gemüse und Mais anbauen.

Wissenschaftliche Quellen:

  1. Ritter, C. & Katroschan, K.-U. (2011). Möglichkeiten der Bekämpfung von Drahtwürmern (Agriotes spp.) im Gemüsebau. Info-Blatt 4/2011, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV.
  2. swisspatat (2022). Qualitätsmerkblatt Drahtwürmer. Arbeitsgruppe Anbau & Qualität swisspatat, Agroscope.
  3. Guyer, A., Baur, B. & Grabenweger, G. (2020). Drahtwürmer – Möglichkeiten der Regulierung. Agroscope Merkblatt Nr. 118 / 2020.
  4. AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Drahtwürmer - Schnellkäfer (Agriotes sp.).
  5. Agrarforschung Schweiz (2024). Kurative Massnahmen gegen Drahtwürmer (Agriotes spp.) in Kartoffelkulturen.

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